Der Ort, an dem eine Revolution begann



Kalavrita, eine kleine griechische Stadt auf der Peloponnes, ist Geburtsort einer Revolution.

Wie viele Orte kann man überhaupt aus dem Stehgreif nennen, an denen eine revolutionäre Bewegung entstand?

Ausgenommen einiger lateinamerikanischer Länder in den sechziger Jahren vielleicht, als Offiziere niederen Ranges ihre sogenannten „Revolutionen“ auf einer schier wöchentlichen Basis proklamierten, gehören die meisten Städte um den Globus zu der Mehrheit jener Orte, an denen es keinen signifikanten Aufstand gab.

Heutzutage klingt das bloße Wort „Revolution“ bedrohlich, gar lächerlich. Ganz davon zu schweigen, dass man, um revolutionär zu sein, doch irgendwie einen Prozess des Erwachens durchlaufen muss.

Der Konsumgeist unserer Tage sorgt jedoch dafür, dass wir im Tiefschlaf verbleiben.

Es gab allerdings Zeiten, in denen einige Wenige gewaltsame Aufstände als eine Option verstanden, um Verhältnisse zu verändern, die sie als ungerecht erachteten.

Analysten legten ihren Fokus auf die nationalen und religiösen Aspekte der Revolution, die 1821 in Kalavrita begann, und bezeichneten diese als einen Unabhängigkeitskrieg des christlichen Volkes der Griechen gegen die muslimisch – osmanische Herrschaft.

Andere Historiker konzentrierten sich auf die sozialen Aspekte der Revolutionäre, die als Unterprivilegierte gegen eine gehobene christliche Klasse kämpfen. Letztere hatte sich im Laufe der Jahrhunderte mit den muslimischen Herrschern abgefunden und sich ein Stück vom Macht- und Wohlstandskuchen gesichert.

Auseinandersetzungen über den exakten Geburtsort der Revolution führten sogar zu Rivalitäten zwischen griechischen Städten. Mehrere Ortschaften beanspruchen für sich, die ersten gewesen zu sein, in denen organisierte Angriffe gegen die Besatzer stattfanden.

Indem man auf das „Wer“ und „Wo“ fokussiert, vernachlässigt man jedoch einen wichtigeren Aspekt: Dass ein Aufstand in Kalavrita überhaupt stattgefunden hat.

Es gehört zu jenen Orten weltweit, dessen Einwohner die „schlechte“ Angewohnheit hatten, sich nicht so leicht der aufgezwungenen Autorität zu fügen. Bezwungen wurden sie schließlich nur von der fatalen Anziehungskraft des Konsums, der sich als der schlimmste Eindringling von allen erwies.

Das Volk von Kalavrita fügte den Namen ihrer Heimatstadt zu der Liste der Orte, an denen eine Revolution begann.

Trotz Tränen und Blut, trotz aller Opfer und Rückschläge und der insgesamt frustrierenden Erfahrung der Revolution als Ganzes war der Ausgang des Unabhängigkeitskampfes erfolgreich.

Manchmal lohnt es sich eben, eine Revolution anzuzetteln.